3 Uhr Aufstehen. 5.30 Uhr Abfahren. 9.30 Uhr Blockade. Die Aktivitäten des Bündnisses „Dresden Nazifrei“, welches auch die Jusos Berlin unterstützt haben, musste straff organisiert werden. 30 Busse, also 1500 AktivistInnen, sollten so früh wie möglich zum Blockadepunkt manövriert werden. Kaum in Dresden Neustadt angekommen, teilten sich die BerlinerInnen in zwei „Finger“ auf und flossen durch die Polizeiabsperrungen am Hansaplatz hindurch. 7 Stunden später die Nachricht: Europas größter Naziaufmarsch wurde verhindert.
Aus der gesamten Bundesrepublik mobilisierte das Bündnis „Dresden Nazifrei“ zu Massenblockaden in die sächsische Landeshauptstadt. Der Erfolg dieses Konzeptes erfreut umso mehr, da der Freistaat zuvor durch eine massive Kriminalisierung antifaschistischen Protestes aufgefallen ist. Die Bürgermeisterin Dresdens Helma Orosz (CDU) rief zu einer symbolischen Menschenkette um die Altstadt, also in weiter Entfernung zum Startpunkt der Nazidemonstration in Dresden-Neustadt, auf und halluzinierte den Erfolg der Verhinderung als Verdienst der Dresdner BürgerInnen. Mit weißen Rosen am Revers inszenierten sich diese analog zur gleichnamigen Widerstandsgruppe als Opfer von Krieg und Nationalsozialismus.
Tatsächlich war es der Verdienst der gesamten Linken, AktivistInnen unterschiedlichen Alters, welche sich an den verschiedenen Blockadepunkten in der Dresdner Neustadt versammelten. Die solidarische und entschlossene Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppierungen gibt Hoffnung für die kommenden Auseinandersetzungen.
Ein katastrophales Bild gab an diesem Samstag die sächsische Polizei ab, welche ein Aufeinandertreffen von Nazis und GegendemonstrantInnen nicht verhindern konnten. Am Bischofsplatz rannten rund hundert Nazis ohne Polizeibegleitung auf uns zu. Ein gewaltsames Aufeinandertreffen konnte nur knapp verhindert werden.
Ohne Aufregung klang der Abend dann am Hansaplatz aus. Mehrere Tausend AktivistInnen versammelten sich dort zu einer spontanen Abschlussdemonstration in Richtung Albertplatz. Das Signal: „Dresden sieh her, so verhindert man einen Naziaufmarsch“! Die Nazis hingegen mussten völlig gefrustet abfahren. Konfrontationen auf der Heimfahrt blieben weitestgehend aus und auch wir Jusos Berlin kamen geschafft, aber zufrieden um 23 Uhr am Berliner Ostbahnhof an.