Jugend und Bildung in Berlin

 

Kaum ein Politikfeld ist so sehr umkämpft und gleichzeitig für die Entwicklung unserer Stadt so wichtig wie Bildung. Der freie Zugang zu Bildungseinrichtungen ist die Voraussetzung dafür, dass junge Menschen individuelle, soziale und berufliche Perspektiven entwickeln können. Deshalb lautet unser Ansatz, allen Menschen unabhängig von ihrer finanziellen Situation die bestmögliche Bildung zukommen zu lassen. 

Unser Bildungsverständnis

Wir verstehen unter Bildung die Gesamtheit aller formalen und nicht-formalen Wege, wie sich Menschen Wissen und Kompetenzen aneignen. Bildung ist der Schlüssel zur Persönlichkeitsentfaltung und gleichzeitig die Grundlage für Chancengleichheit. Ziel unserer Bildungspolitik ist deshalb die Befähigung aller Menschen, ihr Leben selbstbestimmt führen zu können und die notwendigen Fähigkeiten zu erlangen, einen guten Arbeitsplatz zu finden. Wir wollen deshalb eine Bildungspolitik in Berlin möglich machen, die die verschiedenen Bildungseinrichtungen und Lernformen optimal miteinander vernetzt. Kitas und Schulen, Kinder- und Jugendclubs, Musikschulen, Kultur- und Sportvereine, Elterninitiativen, Nachbarschaftshilfe, Mediennutzung, Weiterbildung – in all diesen Bereichen findet Bildung statt, die wir gleichberechtigt miteinander verknüpfen wollen. Deshalb muss Bildungspolitik stets all diese Bereich im Blick haben und auch gleichberechtigt fördern.

Kitas und Schulen

Der Berliner Senat hat in den vergangenen Jahren die Beitragsfreiheit für die drei letzten Kitajahre durchgesetzt. Das war ein wichtiger Schritt für mehr Chancengleichheit ab der Geburt. Diesen Weg wollen wir weitergehen. Unser Ziel ist, dass die Kita optional ab dem ersten Lebensjahr und verpflichtend ab dem dritten Lebensjahr eingeführt wird. Schon heute besuchen 95% aller 3- bis 6- Jährigen eine Kita; aber auch die Kinder, die dies aus verschiedenen Gründen noch nicht tun, sollen so früh wie möglich mit Gleichaltrigen spielen und lernen können. Weiterhin setzen wir uns für eine angemessene Bezahlung der ErzieherInnen in Berlin ein und für eine höhere Anerkennung ihres Berufsfeldes in der Gesellschaft.

Mit der Schulstrukturreform in Berlin wurde ein erster wichtiger Schritt für mehr Chancengleichheit unternommen. Durch den Wegfall der Hauptschule wird sich die Stigmatisierung von SchülerInnen verringern und werden sich die Chancen auf einen guten Schulabschluss und anschließende berufliche Perspektiven verbessern. Dennoch halten wir an unserem Ziel der Gemeinschaftsschule im Ganztagsbetrieb, in der auch die momentane Förderschule inkludiert ist, fest, die wir landesweit einführen wollen. Denn noch immer entscheiden die soziale und geografische Herkunft von Kinder oder Eltern über die Bildungschancen von Kindern. Wir sind überzeugt, dass alle Kinder bei optimaler Förderung durch kleine Schulklassen und gut ausgebildete LehrerInnen gleiche Chancen auf ein menschenwürdiges Leben erhalten. Wir wollen die Lernmittelfreiheit für alle Schülerinnen und Schüler in Berlin einführen.

Jugendfreizeiteinrichtungen

Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen haben eine entscheidende Bedeutung für junge Menschen in unserer Stadt. Gerade Kinder und Jugendliche, die in schwierigen sozialen Verhältnissen aufwachsen, finden dort einen geschützten Raum und oft eine erste Anlaufstelle, wo sie mit BetreuerInnen offen über ihre Situation sprechen können und passgerechte Unterstützung erhalten.

Wir wollen deshalb die bestehenden Einrichtungen erhalten und dort neue Clubs und Häuser ermöglichen, wo sie am dringendsten benötigt werden. Hier wollen wir, dass die Bezirke ausreichend finanziell ausgestattet werden und Einstellungskorridore geöffnet werden. Grundsätzlich halten wir fest an der Gleichberechtigung von Einrichtungen in öffentlicher und freier Trägerschaft; beide Formen stellen vielfach ein über lange Zeit gewachsenes Angebot zur Verfügung, das angesichts erprobter pädagogischer Konzepte und langjähriger Erfahrung aus den Kiezen nicht wegzudenken ist.

Eine weitere Übertragung öffentlicher Einrichtungen an freie Träger wollen wir verhindern. Die freien Träger wollen wir verpflichten, den gleichen Lohn für ihre MitarbeiterInnen zu zahlen. Im Gegenzug sollen sie die Möglichkeit erhalten, künftig Förderzusagen über mindestens drei Jahre zu erhalten, damit eine Konzentration auf die wichtigste Aufgabe – die Unterstützung von Jugendlichen – möglich ist.

Aufgrund der restriktiven Personalpolitik, der die Bezirke unterworfen sind, können oft keine qualifizierten und jungen MitarbeiterInnen eingestellt werden. Gerade Jugendfreizeiteinrichtungen leiden darunter. Wir wollen erreichen, dass für einzelne Bereiche Ausnahmen von den Regelungen des Zentralen Personalüberhangmanagements (ZeP) möglich sind, damit den Jugendeinrichtungen die besten Kräfte zur Verfügung stehen. Langfristig müssen die Bezirke wieder in die Lage versetzt werden, eigenständig über ihre Personalpolitik entscheiden zu können.

Sport

An vielen Schulen bestehen bereits Kooperationen mit Sportvereinen, die ihre Sportplätze zur Verfügung stellen. Diese Kooperationen müssen gestärkt und ausgebaut werden. Sport ist ein wichtiger Bestandteil in der Sozialisation von jungen Menschen, in dem sie Teamfähigkeit und demokratische Grundkompetenzen erlernen können. Deshalb muss dem Sport in der Schule Raum geschaffen werden, in dem er die Rolle zwischen Freizeit und Schule füllen kann. Hierfür müssen Schulen vielfältige Angebote schaffen, die möglichst viele Sportarten abdecken.

Hochschulen

Berlin ist bundesweit und international als Studienstandort beliebt. Studierende aus aller Welt fühlen sich angezogen von unserer Stadt, die sie durch vielfältige Aktivitäten mitgestalten wollen. Das kann für uns allerdings kein Grund zur Zufriedenheit sein, sondern muss Ansporn werden die Studienbedingungen weiter zu verbessern.

Die Bologna-Reformen haben dazu geführt, dass auch in Berlin Studiengänge verschult wurden, Studierende einer massiven Prüfungslast ausgesetzt sind und ein selbstbestimmtes Studium kaum noch möglich ist. Sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen und dafür viel Zeit zu investieren wird für Studierende immer schwieriger, da Zwangsberatung und Zwangexmatrikulation drohen. Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass die Möglichkeiten zum Selbststudium ausgebaut werden und der Leistungsdruck abnimmt.

Wir wollen, dass Berlin Vorreiter wird bei der Neubewertung von Master-Studiengängen und einen Rechtsanspruch auf einen Masterplatz einführt. Gleichzeitig muss davon ein Signal für die Ausweitung auf andere Bundesländer ausgehen.

Das Land Berlin muss auch weiterhin seine Studienplatzkapazitäten ausbauen, um allen jungen Menschen die Möglichkeit zu einem Hochschulstudium zu geben. Wir wissen, dass dies nur mit Unterstützung des Bundes geht. Im Sinne einer fortschrittlichen Hochschulfinanzierung setzen wir uns auch weiterhin für den Vorteilsausgleich ein, der einen Ausgleich zwischen den Bundesländern ermöglicht.

Den Jusos und dem SPD-geführten Senat ist es zu verdanken, dass in Berlin keinerlei Studiengebühren erhoben werden. Wir stehen dafür, dass das auch so bleibt! Langfristig wollen wir versteckte Studiengebühren in Form von Verwaltungsgebühren abschaffen und eine komplett kostenlose Hochschulbildung erreichen. Wir wollen die Studienbedingungen weiter verbessern – die Attraktivität der Berliner Hochschulen darf nicht nur vom Interesse an der Stadt abhängen, sondern muss sich in optimalen Studienbedingungen an den Hochschulen widerspiegeln. Wo wie an der Charité vorbildliche Reformstudiengänge eingerichtet werden, muss auch die Sachausstattung dem Reformansatz gerecht werden.

Wir wollen das allgemeinpolitische Mandat der Berliner Studierendenschaften rechtlich absichern, damit die Studierenden ihre Interessen wirksam selbstverantwortlich vertreten können. Unser Ziel bleibt es, die Hochschule zu demokratisieren. Deshalb fordern wir die Gleichberechtigung für alle Mitglieder der Hochschule, d.h. alle Gremien müssen paritätisch besetzt werden.

Informelle Bildung und Jugendverbände

Neben den öffentlichen und formalen Bildungseinrichtungen muss auch die nicht-formale und informelle Bildung ins Blickfeld rücken. Auch hier gilt, dass die kleinräumige Orientierung im Mittelpunkt stehen muss. Deshalb müssen die verschiedenen Träger von Bildungseinrichtungen stärker miteinander vernetzt werden. Wo dies noch nicht erfolgt ist, müssen Quartiersmanagement oder einzurichtende Bildungsbüros in den Kiezen die Vernetzung von Vereinen, Jugendverbänden, Bildungseinrichtungen oder lokalen Initiativen miteinander verknüpfen. Der in Neukölln entstehende Campus Rütli ist ein Vorbild für die Vernetzung von Bildungsangeboten verschiedenster Träger im Kiez, das schon heute über Neukölln hinaus Beachtung findet.

Das Miteinander von Jugendlichen wird besonders von den vielfältigen Angeboten der Berliner Jugendverbände gefördert. Sie bieten unersetzliche soziale und kulturelle Aktivitäten und fördern die Selbstentfaltung von Jugendlichen. Wir wollen deshalb die Jugendverbände unterstützen, indem wir ihre finanzielle Grundlage verbessern. Um ehrenamtliche Tätigkeit von Jugendlichen zu fördern, wollen wir die Anerkennung von Leistungen im Ehrenamt, etwa als Nachweis sozialer oder fachlicher Kompetenzen an den Hochschulen, sicherstellen.

Politische Bildung stärken

Auch ein frühzeitiges politisches Engagement macht es möglich, dass Jugendliche sich einbringen können und einen emanzipatorischen Blick auf ihr Umfeld erhalten und dieses mitgestalten können. Menschen mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Elternhäusern sind seltener in politischen Parteien oder Initiativen aktiv. Wir wollen deshalb die politische Bildung in Berlin stärken und gerade für Jugendliche Angebote und Projekte der politischen Bildungsarbeit unterstützen und ausweiten.

Ansatzpunkte hierfür sind die Wiedereinführung und verstärkte Bewerbung von SchülerInnenparlamenten. Darüber hinaus wollen wir die SchülerInnenvertretungen innerhalb der Schulen stärken, indem sie mit Stimmrecht in alle Schulgremien ausgestattet und ihre Handlungsmöglichkeiten im Sozialkundeunterricht thematisiert werden. Politische SchülerInnengremien können nur attraktiv werden, wenn sie etwas bewegen können. Um die Kompetenzen der SchülerInnen zu stärken, ist das Fach Sozialkunde bereits ab der 5. Klasse als obligatorisches Fach in den Fächerkanon aufzunehmen. Dies ist nur realisierbar, wenn der Senat hierfür die finanziellen Voraussetzungen schafft und mehr fachlich ausgebildete LehrerInnen einstellt. GeschichtslehrerInnen dürfen das Fach Sozialkunde nicht mehr unterrichten – und umgekehrt.